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GESELLSCHAFT / Beziehungen FEST VERBANDELT Gemeinsame Rituale stärken die Beziehung. Dazu gehören Freundschafts-Insignien ebenso wie gemeinsame Saunaabende. Was zählt, ist die Verbindlichkeit darin eine Chance: „Kleine Konflikte im Alltag sind super, um Verhandlungen zu üben.“ Dabei geht es darum zu verstehen, was der anderen Person wichtig ist, und sich dann zu fragen: Kann ich mich darauf einlassen? Müssen wir ei- nen Kompromiss finden - oder akzeptieren wir, dass wir in dieser Sache nicht auf einen Nenner kommen? Was wir in Paarbeziehungen tagein, tagaus betreiben, sollten wir auch in Freund- schaften leisten. „Sich über Erwartungen und Wünsche auszutauschen, ist die beste Vorbeu- gung gegen Konflikte, und das gilt für alle Be- ziehungen‘, so Paarberaterin Newerla. Damit sind wir beim zweiten Tipp: Wir alle sollten mehr über unsere Freundschaften reden. Denn allzu häufig drehen sich die Gespräche mit Freundinnen und Freunden um die Bezie- hungen zu anderen - zur Schwiegermutter, zum Nachbarn, zum Partner. „Ich bekomme häufig mit, dass Menschen sich scheuen, Freundschafts- beziehungen aktiv zu gestalten. Sie fragen sich, ob man darüber eigentlich sprechen darf“, be- richtet die Autorin. Die romantische Paarbezie- hung folgt oft einem Schema, Newerla nennt es „die Rolltreppe“: Auf das erste Date folgt der Kuss, dann der Beziehungsstatus, man zieht zusam- men, holt sich einen Hund und kauft anschlie- Rend ein Haus - der Weg verläuft klar, gerade und steil. Freundschaften sind weniger schematisch. „Jede Freundschaft ist anders, das ist ja auch das Schöne daran“, sagt sie. Trotzdem müsse man da- rüber sprechen, was man von dieser Freundschaft erwartet oder sich für die Zukunft wünscht. Mehr Zeit, mehr Nähe, mehr Verantwortung? Sich so zu öffnen, das erfordert Mut und Übung. Selbst in Paarbeziehungen fällt es vielen schwer, die eigenen Bedürfnisse auszudrücken - in Freund- schaften wagen wir uns noch seltener auf dieses Terrain. ‚Viele haben Angst vor Ablehnung‘, sagt Newerla. „Aber ich kann aus meiner Praxis be- richten: In der Regel bewahrheiten sich diese Be- fürchtungen nicht‘, beruhigt die Paarberaterin. Bevor das Kopfkino freidreht, sollte sich jede und jeder bewusst machen: Ein unerfülltes Bedürfnis ist noch kein Problem. Darüber sprechen können wir immer. Erst wenn unser Wunsch abgelehnt wird, kann es zu Konflikten kommen. ‚Wenn ich mehrere Freundschaften habe, kann ich dann ja schauen, ob dieses eine Bedürfnis nicht woan- ders besser erfüllt werden kann“, rät die Autorin. Nicht bei jeder Freundschaft müssen alle Häk- chen gesetzt sein. „Stellen Sie sich Ihre Welt wie ein Sonnensystem vor: Manche Planeten kreisen ganz nah um Sie und manche ein bisschen wei- ter weg“, erläutert Newerla. Auf einem Planeten treffen Sie sich einmal die Woche zum Spaghetti- kochen, auf dem anderen führen Sie philosophi- sche Gespräche, und wieder ein anderer steht für den jährlichen Urlaub. Wie wäre es mal wieder mit einem Yoga-Retreat auf Fehmarn? > 21
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