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GESELLSCHAFT / Empä i durch eine Metaanalyse von 40 Studien herausgefun- den: Mitgefühl macht glücklich. Die Befragten, die sich als besonders empathisch erleben, sind insgesamt zu- friedener mit ihrem Leben, fühlen eine stärkere Zuge- hörigkeit zur Gemeinschaft und sind sogar körperlich fitter als weniger empathische Personen. Wer tröstet, unterstützt oder Probleme löst, beruhigt sein eigenes Stresssystem. Doch einfach mehr Empathie zu fordern, reicht nicht aus. Denn: Zu viel Empathie kann richtig weh- tun. Wenn Menschen Zeuge von physischen Schmer- zen werden, feuern bei ihnen die Hirnareale, die für das eigene Schmerzempfinden zuständig sind. Wer die Gefühle anderer sehr intensiv aufnimmt, erlebt häu- fig Stress oder den Wunsch, sich zurückzuziehen. Eine Studie von britischen und chinesischen Forschern aus dem Jahr 2025 weist darauf hin, dass stark empathi- sche Personen eher unter psychischen Problemen wie Angststörungen und Depressionen leiden. Besonders wenn Menschen sich dem Leid anderer gegenüber hilflos fühlen, kann Empathie zum Rückzug führen. Statt Nähe zu erzeugen, schafft sie dann Distanz. Das erklärt, warum Menschen Leid auch ausblenden kön- nen. Manche tun es, um sich zu schützen. Andere, um handlungsfähig zu bleiben. Rettungskräfte oder medi- zinisches Personal zum Beispiel könnten ihre Arbeit nicht verrichten, wenn sie jegliche Not von Opfern und Patienten mitfühlen würden. Auf der anderen Seite dürfen sie auch nicht abstumpfen. Grit Hein und ihr Team versuchen deshalb, aus ihren Forschungs- erkenntnissen Empfehlungen abzuleiten, wie Empa- thie im klinischen Alltag gefördert werden kann, ohne das Personal zu überfordern. Kann man Empathie trainieren? Die eigene Empathie wird also stark durch äußere Um- stände beeinflusst. Aber kann man sie auch bewusst trainieren? Ja, das geht, sagt Grit Hein. Eine Methode: achtsam sein. Sich in kleinen Momenten bewusst fürs Hinschauen entscheiden. Wer das geübt hat, kann sich in einem weiteren Schritt fragen: Möchte ich helfen? Auch hier kann man sich kleine Aufgaben stellen, die wenig Überwindung kosten. Je mehr man das Gefühl hat, et- was bewirken zu können, desto eher lässt man sich auf empathische Empfindungen ein. Doch dafür muss eine Grundvoraussetzung gegeben sein: Nur wer in einem gu- ten mentalen Zustand ist, hat die Kapazitäten, sich den Sorgen anderer zu widmen. Ohne Selbstfürsorge keine Empathie. ‚Wenn wir uns wirklich mit anderen Men- schen verbinden möchten, sind wir gut beraten, auf uns selbst aufzupassen“, sagt Grit Hein. Das kann heißen, die schlechten Nachrichten aus der Welt ab und zu aus- zublenden, sich schönen Dingen zu widmen - und sich auch mal nur um sich selbst zu kümmern. > 19
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