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SOZIALER KITT Ohne Empathie wäre der Mensch ein einsamer Einzelkämpfer nicht klar, dass die Zustände, auf die sie reagieren, nicht die eigenen sind“, erklärt Grit Hein. Die Fähigkeit, das eigene Selbst von anderen zu unterscheiden, ist eine Voraussetzung, um sich in andere empathisch einzufüh- len. Kinder entwickeln sie ab dem zweiten Lebensjahr - aber nur, wenn ihr Umfeld es vormacht. ‚Wir wissen, dass kleine Kinder Empathie von ihren Bezugspersonen lernen können‘, erklärt Grit Hein, „mich hat interessiert, ob das für Erwachsene ebenfalls gilt.“ Um das herauszufinden, zeigte sie Frauen Filme von Händen, denen leichte, aber unangenehme Schmerzen zugefügt wurden. Danach sollten die Probandinnen bewerten, wie sehr sie mit der Person in dem Video gelitten hatten. Anschließend wurden sie mit den Be- wertungen von andereren, ihnen unbekannten Pro- bandinnen konfrontiert. Hier manipulierte die Studie bewusst: Den Frauen wurde jeweils suggeriert, andere Probandinnen hätten empathischer oder weniger em- pathisch als sie selbst reagiert. Als die Frauen weitere Videos bewerten sollten, passten sie ihre Empathie an die Reaktion der anderen Person an. Das Team um Grit Hein konnte durch MRT-Aufnahmen und mathemati- sche Lernmodelle belegen, dass die Frauen diese „neue“ Empathie nicht nur imitierten, sondern erlernt hatten. Grit Hein fasst zusammen: „Empathie ist ansteckend. Es hat Einfluss auf meine Empathiefähigkeit, ob ich mich in einem empathischen oder nichtempathischen SPIEGEL MICH! Kinder lernen Empathie ab zwei ‚Jahren - wenn man es ihnen vormacht Umfeld befinde. Das gilt für die Familie und die Arbeit ebenso wie für zufällige Begegnungen auf der Straße.“ Andere Studien zeigten, dass geliebte Menschen und prominente Personen einen Empathievorschuss erhalten, ebenso wie Menschen, mit denen wir uns auf- grund von Ähnlichkeiten identifizieren. Auch das Narra- tiv spielt eine Rolle: Personen, die ein Unglück schein- bar zufällig und unverdient ereilt, bemitleiden wir mehr als Menschen, die es - völlig subjektiv - „verdient“ haben könnten. Einmal empfundene Empathie scheint die Verbindung zwischen Menschen zu stabilisieren. Das konnte Grit Hein in einer weiteren Studie zeigen: Wer eine andere Person leiden sieht und daraufhin Em- pathie für sie aufbaut, behält diese bei - auch wenn es der Person wieder gutgeht. Für das Zusammenleben im eigenen Umfeld oder in der Gesellschaft können wir da- raus lernen: Empathie entwickelt sich in Spiralen. Sie kann wachsen und sich ausbreiten, je mehr Menschen empathisch handeln. Und sie kann langsam verschwin- den, wenn ihr kein Raum gegeben wird. Wer Gutes tut, dem geht es gut? Die Vorteile des Mitgefühls liegen auf der Hand: Es macht das Leben von leidenden Menschen besser, wenn sie Trost erfahren. Und auch die Helfenden können von ihrer eigenen Empathie profitieren. Die Psychologin Majlinda Zhunig von der Universität Mannheim hat » 17
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