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GESELLSCHAFT / Empathie as tun Sie, wenn vor Ihnen auf der Straße W: Person in Tränen ausbricht? Gehen Sie hin? Oder wechseln Sie lieber die Straßensei- te? So viel vorweg: Egal wie Sie reagieren, Sie fühlen mit. Gegen diesen biologischen Automatismus können Sie sich gar nicht wehren. Doch warum berühren uns die Gefühle anderer manchmal unmittelbar - und manch- mal kaum? Was entscheidet darüber, ob wir uns auf andere zubewegen oder uns zurückziehen? Hinter all dem steckt die Kraft der Empathie, die Lebewesen be- reits vor Millionen von Jahren entwickelten. Sie ist eine evolutionäre Urgewalt und zugleich eine Frage der Mo- ral, über die in Klassenzimmern, Büros und an Stamm- tischen diskutiert wird. Nur durch Empathie können wir friedlich in einer Gesellschaft zusammenleben. Das macht sie auch für Wissenschaftlerinnen wie Grit Hein so spannend. „Empathie gilt als Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält‘, sagt sie. Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin forscht an der Universität Würzburg und hat einige erstaunliche Erkenntnisse über Empathie gewonnen - dazu später mehr. Laut Definition beschreibt Empathie die Fähigkeit, die Gefühle anderer wahrzunehmen und mitzufühlen. Werden wir Zeuge von Freud oder Leid anderer Lebe- wesen, reagiert unser Körper fast so, als würden wir die Gefühle selbst erleben: Die Herzfrequenz erhöht sich, der Hautleitwert steigt, und bestimmte Hirnareale 16 werden aktiviert. All das geschieht, noch bevor wir be- wusst auf die Situation reagieren. Im Alltag geraten die Begriffe Empathie, Mitleid und Mitgefühl manchmal durcheinander. Grit Hein und ihre Kollegen verstehen unter Empathie und Mitleid das Gleiche - in ihrer Ar- beitssprache Englisch wird beides mit dem Wort „Em- pathy“ bezeichnet. „Mitleid ist jedoch eigentlich kein guter Begriff“, sagt Grit Hein, „denn Empathie kann man auch bei positiven Ereignissen fühlen.“ Der Begriff „Mitgefühl“ beschreibt den Moment, wenn Empathie den Wunsch auslöst, der leidenden Person zu helfen. Selbstverständlich ist das jedoch nicht. „Empathie ist erst einmal neutral, etwas, das mir passiert“, sagt Grit Hein. Es komme darauf an, wie Menschen sie umwan- deln: Der Wunsch zu helfen, ist ein Weg. Wegschauen ein anderer. Empathie kann auch genutzt werden, um andere zu manipulieren: „Das geschieht häufig in dys- funktionalen Paarbeziehungen‘, sagt Grit Hein, „jemand ist perfekt in der Lage zu verstehen, wie es dem Gegen- über geht, und nutzt dieses Wissen für seine Zwecke.“ Ich fühle, was du fühlst Generell ist also jeder gesunde Mensch in der Lage, Em- pathie zu fühlen - aber erst ab einem gewissen Alter. Ba- bys kommen ohne Empathie auf die Welt. Sie verfügen jedoch über eine Art Vorstufe, die soziale Ansteckung. „Babys spiegeln die Gefühle anderer, aber ihnen ist noch
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