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GLEICHSTELLUNG? Rechtlich gilt in Deutschland zunächst nur die gebärende Person als Mutter. Bei ver- heirateten heterosexuellen Paaren wird der Ehemann automatisch als Vater einge- tragen - bei zwei verheirate- ten Frauen passiert das nicht. Die zweite Mutter muss das Kind adoptieren. Am Ende bleibt ein letzter Embryo mit verhal- tener Prognose. Marie fährt allein zum Transfer. Als neun Tage später eine zweite Linie auf dem Schwangerschaftstest erscheint, ist die Freude zunächst vorsichtig. Erst beim Ultraschall weicht die Anspannung der Vorfreude. „Ab da waren wir einfach nur noch glücklich“, sagt Marie. „Wir waren beide komplett drin. Es war unser Kind, von Anfang an.“ Auch auf dem Papier In der Schwangerschaft erle- ben sie viel Selbstverständ- lichkeit. In Praxis und Klinik stellt niemand infrage, dass hier zwei Mütter ein Kind erwarten. Umso belastender ist es, wie oft sie sich rechtlich absichern müssen: Schon vor der Kinderwunschbehandlung ist ein Vertrag vorgesehen, der regelt, dass Mileen im Fall einer Trennung finanziell Verantwortung für das Kind trägt - obwohl sie rechtlich zu- nächst keine Ansprüche und kein Sorgerecht „Wir würden uns immer wieder fürein- ander und für dieses Kind entscheiden." Marie FAMILIE hat. Kurz vor der Geburt treffen sie zusätzlich eine eigene Vorsorgeregelung für den Ernst- fall. Trotzdem steht auf der Geburtsurkunde zunächst nur Maries Name. Mileen muss ihre eigene Tochter im Rahmen einer Stiefkindad- option adoptieren. „Wir sind verheiratet, emotional war alles klar“, sagt Marie, „aber juristisch eben nicht.“ Es folgen Termine beim Notar, Papierkram, ein Besuch des Jugendamts. Sechs Monate später spricht das Gericht die Adoption aus. Damit ändert sich nichts an ih- rem Alltag - und doch fühlt es sich wichtig an. „Es war end- lich offiziell, was wir längst gelebt haben.“ Hallo, Alltag Heute teilen sie sich die Betreuung selbstverständlich. Offene Ablehnung erleben sie kaum, eher neu- gierige Fragen. Sie wissen, dass siein einem tole- ranten Umfeld leben und wünschen sich, dass es für ihre Tochter überall so normal sein darf, zwei Mütter zu haben. Würden sie den Weg wieder gehen? Marie lächelt: „Ja. Jederzeit. Auch wenn es Kraft kostet - als Paar, emotional und auch finanziell.“ I 20 babywelt
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