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orgen sitzt sie wieder im Flieger nach Deutschland, gerade ist sie aus Mallorca zurück. Jessica Schwarz ist derzeit viel unterwegs. Umso mehr genießt sie ein paar ruhige Tage in Portugal, wo sie mit ihrem Mann ein kleines Boutique- hotel führt. Wir sprachen mit ihr über prägende Rollen, wichtige Beziehun- gen - und darüber, warum sie Respekt vor sozialen Medien hat. Frau Schwarz, Öl in der Lüneburger Heide, das klingt nicht unbedingt nach Hochspannung. Warum hat Sie dieses Drehbuch gereizt? Wirklich? Ich finde gerade das The- ma spannend. Die wenigsten Leute wissen, dass mit diesen ersten Boh- rungen in der Heide ein ganzes In- dustriezeitalter begann - inklusive Machtspielen, Gier, Ungerechtigkeit. Sobald plötzlich schnelles, neues Geld im Spiel ist, geraten Menschen unter Druck. Sie geben ihr Land auf oder ver- lieren es. Dieses Spannungsfeld fand ich wahnsinnig interessant. Ihre Figur Martha ist eine vom harten Landleben gezeichnete Frau. Fiel es Ihnen leicht, sich da hineinzufühlen? Das Maskenbild hat dabei enorm geholfen. Ich wurde regelrecht verun- staltet - im besten Sinne. Ich sah mor- gens schon müde aus und kam noch fertiger aus der Maske. Menschen, die körperlich hart arbeiten, altern schnel- ler, und Martha lebt genau dieses Le- ben. Sie verliert früh ihren Mann, steht mit zwei Kindern allein da und ist nur Pächterin ihres Hofes. Diese Sorge ums Überleben, die Härte der Jahreszeiten, dazu die Angst vor den Veränderungen durch das Öl - all das hat mich schnell in die Figur geführt. Besonders span- nend fand ich Marthas Entwicklung: vom Ducken und Aushalten hin zur Auflehnung gegen Ungerechtigkeit. Ihre Filmografie ist beachtlich und um- fasst alle Genres. Gibt es eine Rolle, die Ihre eigene Selbstwahrnehmung verändert hat? Ich denke sofort an „Das Lied in mir“, in dem ich eine junge Frau auf 32 GESELLSCHAFT / Interview Jessica Schwarz wurde am 5. Mai 1977 in Erbach im Odenwald geboren und wuchs im hessischen Michelstadt auf. Seit Ende der 1990er-Jahre ist sie in Film und Fernsehen präsent, zu ihren wichtigs- ten Erfolgen zählen „Die Buddenbrooks“ (2008) „Romy“ (2009) und der international vielfach ausgezeichnete Film „Das Lied in mir“ (2010). Für Dreharbeiten pendelt sie zwischen Deutschland und Portugal, wo sie gemein- sam mit ihrem Mann lebt und ein Hotel führt. Identitätssuche spiele. Der Film war politisch, emotional, anspruchsvoll. Das hat mich sehr berührt und war auch ein wenig eine Reise zu mir selbst. Und dann war „Romy“ noch eine prägende Rolle, allein durch die enorme Resonanz. Lustigerweise liefen viele meiner Figuren lange parallel zu meinem eigenen Leben - Frauen auf der Suche, im Umbruch. Sie sagen, Sie fühlen sich im Drama besonders wohl. Warum? Drama hat für mich eine Tiefe, die ich liebe. Komödie ist zwar genauso komplex - „Der perfekte Urlaub‘, den wir gerade gedreht haben, hat viel Co- medy -, aber darunter liegt ein ech- tes Drama. Doch das Emotionale, das Ernsthafte, das fordert mich auf eine gute Weise heraus. Wie wichtig ist Ihnen Kritikerlob im Vergleich zu großen Kinoerfolgen? Beides ist schön, aber Kritikerlob geht tiefer. Ein Kinohit wie „Das Kanu des Manitu“ oder „Das perfekte Ge- heimnis“ ist toll, weil viele Menschen wieder ins Kino gehen - das ist gerade in dieser Zeit wichtig. Aber persönlich berührt mich die Wertschätzung fürs Schauspiel sehr. Trotzdem komme ich eigentlich aus dem Arthouse und wün- sche mir manchmal, dass es davon wieder mehr für mich gibt. Sie sind seit vielen Jahren erfolgreich im Geschäft. Wie schafft man das - gerade als Frau in einer Branche, die so sehr auf Jugend fokussiert ist? Vielleicht weil ich nie verbissen war. Ich habe mich nicht angebie- dert, sondern bin ruhig geblieben - auch in Zeiten, in denen es beruf lich schwierig war. Mein Vorteil war immer, dass ich zwischen Film und Entertainment wechseln konnte, weil ich von VIVA-TV komme. Letztes Jahr war eine ruhigere Phase, und da habe ich mich gefreut, dass die Anfrage von „The Masked Singer“ kam. Da sage ich dann ja, weil ich einfach gern arbei- ten und Neues ausprobieren möchte. Was ich übrigens nie konnte, ist, mich selbst aktiv bei Regisseuren oder »
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