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allein auf dem Pausenhof steht, keinen Kontakt zu Gleichaltrigen findet und sich am liebsten in seinem Zimmer verkriecht, fühlt sich höchstwahrscheinlich einsam. Die- se „subjektiv wahrgenommene und leidvoll erlebte Diskrepanz zwischen vorhandenen und erwünschten Beziehungen‘, so lautet eine wissenschaftliche Definition von Einsamkeit, betrifft seit der Coronapandemie immer häu- figer auch junge Menschen. E gal ob sechs oder 16 Jahre alt: Wer immer Steigender Leidensdruck Das zeigt etwa die Publikation „Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland‘, veröffentlicht vom Projektteam „Kompetenz- netz Einsamkeit“, gefördert vom Bundesminis- terium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Demnach sind rund zwölf Prozent der Schüler und Schülerinnen als einsam ein- zustufen - mehr Mädchen als Jungen. Das Un- gleichgewicht könnte bestehen, so der Bericht, weil Mädchen generell eher bereit seien, emo- tionale Bedürfnisse zu kommunizieren. Melanie Eckert, Psychologin und Co-Grün- derin von krisenchat, einer kostenlosen 24/7- Krisenberatung via WhatsApp für Menschen unter 25 Jahren, meint dazu: „Unsere Chats bestätigen, dass viele junge Menschen in un- terschiedlicher Form unter Einsamkeit leiden. Den meisten fällt es schwer, über das noch immer stigmatisierte Thema zu reden.“ Verpasste Chancen Denn wer sich einsam fühlt, schämt sich nicht selten dafür, fühlt sich als Versager, weil es vermeintlich „allen anderen“ gelingt, ein zufriedenes Leben mit sozialen Kontakten zu führen. Aber viele junge Menschen haben während der Coronapandemie ihre sozialen J Routinen verloren oder konnten sie nicht auf- oder ausbauen. Forschende sprechen von ‚verpassten Gelegenheiten“, soziale Kompe- tenzen und Zugehörigkeit zu entwickeln. Pa- radox: Obwohl junge Menschen heute digital so stark vernetzt sind wie nie zuvor, erleben sie immer häufiger ein Gefühl von sozialer Isolation und Leere, Merkmale von Einsam- keit. Diese entsteht nämlich auch, wenn Be- ziehungen als nicht belastbar bzw. unzuver- lässig empfunden werden, nicht unbedingt, weil sie rein quantitativ fehlen. Onlinefreund- schaften erscheinen eher oberflächlich, so- ziale Medien können das Gefühl, nicht dazu- zugehören, sogar noch verstärken. Warnsignale erkennen Die Folgen von Einsamkeit können schwer- wiegend sein: Gerade im Kindes- und Jugend- alter, da ist sich die Forschung einig, erhöht sie das Risiko für Depressionen und Angst- störungen und kann die psychosoziale Ent- wicklung sowie das subjektive Wohlbefinden langfristig beeinträchtigen. Schlimmstenfalls stellen sich Selbstmordgedanken ein. Dem gilt es dringend, etwas entgegenzusetzen. Aber wie? Zunächst muss man unterscheiden, ob ein Kind nur kurzzeitig allein sein möchte (introvertiertes Verhalten) oder ob es sich tat- sächlich einsam fühlt, also unter einem Man- gel an sozialen Beziehungen leidet. Selbst für die Familie von Betroffenen ist diese Unter- scheidung oft nicht leicht. Vor allem Puber- tierende ziehen sich gern mal in ihr Schne- ckenhaus zurück. Das ist nicht ungewöhnlich. „Aber es gibt Warnsignale, auf die Eltern un- bedingt achten sollten“, mahnt Eckert. (Siehe dazu das Interview auf den folgenden Seiten) » DRANBLEIBEN Einsame Jugendliche brauchen vor allem eins: Menschen, denen sie sich anvertrauen, bei denen sie sich geborgen fühlen können 99
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